Gespräch mit Albert Rordorf – Auszug aus dem Monatsmagazin «reformiert.»

Heute war wieder unsere alljährliche Familienversammlung. Albert war munter mit dabei, und hat uns das folgende Interview mitbegracht.„Ein Gespräch mit Albert Rordorf“, Auszug aus dem Monatsmagazin «reformiert.» der Reformierten Kirchgemeinde Zürich-Sihlfeld.

Ich bin 1920 in Rapperswil geboren und in Lyon aufgewachsen. Wegen des 2. Weltkrieges kam ich im Juli 1942 in die Schweiz zurück. Als Beruf habe ich Gärtner gelernt. Zuerst arbeitete ich in Pfäffikon in einer Erika-Kultur, später wurde ich Friedhofsgärtner in Stäfa und Landschaftsgärtner in Biel und Genf. Nach Auslandaufenthalten in Holland und Dänemark trat ich am 1. April 1950 in die Stadtgärtnerei Zürich ein und war für die Orchideen und Zimmerpflanzen zuständig. Auch Brunnen und städtische Amtshäuser habe ich bepflanzt. Die Arbeit mit Orchideen war anfangs aber ganz neu für mich, und ich eignete mir das nötige Fachwissen autodidaktisch an mit Büchern und Besuchen in Geschäften, die Orchideen anboten.

Meine Arbeit war immer abwechslungsreich. Mein liebstes Gebiet waren aber ganz klar die Orchideen. Wir hatten damals in der Stadtgärtnerei drei Treibhäuser mit unterschiedlichem Klima und circa 80 verschiedenen Orchideengattungen. Für das Substrat holte ich jeweils am Katzensee Laub und Moos und in Albisrieden Kuhfladen. Viele Kollegen warnten mich, die Polizei könnte mich dabei erwischen, aber in all den Jahren geschah das nie.

Im Mai wurden jeweils die Stadtbrunnen mit Blumen bepflanzt. Ausserdem wurden die Balkonkistli vom Stadthaus und von den Amtshäusern bepflanzt. Ich bereitete jeweils die Blumenkisten in der Stadtgärtnerei vor und sicherte sie mit Klammern am Brunnen, dadurch war ich viel schneller als die Kollegen, die die Kisten vor Ort bepflanzten.

Meine Pensionierungsfeier im 1985 war sehr schön – ich lud alle Kollegen ein. Es wurden viele Kerzen im Bassin des Gewächshauses angezündet, als ich ankam, und ein junger Mann spielte Flöte. Kurz danach wurde das Gewächshaus abgebrochen. Wir hatten immer einen guten Zusammenhalt, wir machten viele gemeinsame Ausflüge

Ich besuche die Stadtgärtn auch heute noch häufig, insbesondere weil die Orchideengesellschaft hier das Gastrecht für Ausstellungen hat. Diese Vereinigung wurde 1957 gegründet – heute bin ich das einzige noch aktiv teilnehmende Gründungsmitglied.

Als reiselustiger Schütze habe ich mit der Orchideenvereinigung ganz Europa bereist und auch viele schöne Überseereisen gemacht. Ab 1955 war ich 51 Jahre lang Schrebergärtner, allerdings musste ich in dieser Zeit meinen Garten wegen Bauarbeiten zwei mal zügeln. Ich züchtete auch Kanarienvögel und hatte Katzen – eine begleitete mich auf meinen Spaziergängen wie ein Hündchen. Auch daheim hatte ich immer viele Pflanzen, viele Nachbarn brachten mir verdorrte Stöcke, die ich alle immer wieder zum Blühen brachte.

Ich habe keine Zeit um auf meinen Lorbeeren auszuruhen. Mein Motto lautet: Wer rastet, der rostet. Denn wer sich viel bewegt, bleibt jung, fit und flexibel. Gerne pflege ich auch noch heute
meine Hobbys: Flohmarkt, Fotografieren, Sammeln…

Ich besuche regelmässig und mit Freude die Veranstaltungen und Gottesdienste der reformierten Kirche Sihlfeld, wo mich alle kennen.

Am 3. März 2009 ist meine Frau gestorben, sie wurde am 12. März im Gemeinschaftsgrab Sihlfeld beerdigt.

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